James Bond des Balkans
Sunday, November 13th, 200511.11.2005
19:45 TagesZeichenJames Bond des Balkans
Vlado Konstantinovic entwickelt kroatisch/deutsche Geheimdienstverflechtungen
Anmoderationsvorschlag:
Da ein Geheimdienstchef die Fahndungsliste eines befreundeten Staates ziert, ist kaum vorstellbar. Und doch steht seit wenigen Tagen der Name des pensionierten kroatischen Leiters der Spionageabwehr Josip Perkovic obenauf in der Hitliste der meistgesuchten Personen des deutschen Bundeskriminalamtes. Ihm wird vorgeworfen, vor 22 Jahren an der Ermordung des Exilkroaten Stjepan Djurekovic in Wolfrathshausen beteiligt gewesen zu sein. Und es kommt noch schlimmer: ganze 5 000 Belohnung werden als Kopfgeld fr den seinerzeit gefeierten kroatischen James Bond ausgesetzt.
Die Schmach kam um so berraschender, als Josip Perkovic whrend des Krieges in den neunziger Jahren zu den deutschen Geheinmdiensten BKA und BND beste Beziehungen unterhalten haben soll.
Ein ehemaliger Kollege Perkovics aus dem alten jugoslawischen Geheimdienst war bereit, mit Vlado Konstantinovic ber die Verwicklungen der Schlapphte in Deutschland und auf dem Balkan zu plaudern.

Wir haben den kroatischen Ustasa-Terrorismus mit allen Mitteln bekmpft, das sage ich offen: ich war fr die psychologischen und die propagandistischen Manahmen zustndig. Wir haben gegen sie alles eingesetzt, was uns zur Verfgung stand. Die deutsche Geheimpolizei hat darber ganze Ordner in ihren Archiven. Aber unsere besten Mitarbeiter zur Eliminierung der kroatischen Ustasa-Terroristen kamen eben aus Kroatien. So zum Beispiel JOSIP PERKOVIC, der sptere Leiter der kroatischen Spionageabwehr in Zagreb. Wir haben zusammen viele geheime Aktionen auf deutschem Boden ausgefhrt.”
Wer war Stjepan Djurekovic?
Der Marketingchef des grten jugoslawischen lkonzerns INA tauchte 1982 in Mnchen auf und wurde als berlufer stolz prsentiert. Im damals noch heien Kalten Krieg war der Mann ein Geheimnistrger hchster Gte: er verfgte ber genaue Plne zur Kraftstoffversorgung der Jugoslawischen Volksarmee. Obwohl er unter Observation der jugoslawischen Spionageabwehr stand, gelang es dem BND, ihn anzuwerben und nach Deutschland zu schleusen.
Djurekovic wurde als Verleger antijugoslawischer Publikationen aktiv und tauchte im exilkroatischen Milieu unter. Viele kroatische Faschisten, die Ustasa, hatten nach der Niederlage Hitlers Zuflucht in der Bundesrepublik gefunden. Fr den Hitler-General Reinhard Gehlen, den Grnder des Bundesnachrichtendienstes, waren sie als Antikommunisten im Kalten Krieg mehr als willkommen. Der geheime kroatische Agentenring in Deutschland wuchs stndig durch politische Emigration. Auch die Neuankmmlinge aus Kroatien wurden von deutschen Geheimdiensten angeworben, ausgebildet und eingesetzt.
Die Exilkroaten beschrnkten sich aber nicht lediglich darauf, Jugoslawien auszuspionieren. Ihre Terrorkommandos verbten zahlreiche Anschlge auf jugoslawische Vertretungen in Deutschland. In Belgrad und in Zagreb lieen sie auf Bahnhfen und in Kinos Bomben hochgehen.
Die Antwort des jugoslawischen Geheimdienstes war nicht weniger brutal: in die Emigrantenkreise eingeschleuste Agenten verbten zweidutzend Attentate auf Exil-Kroaten in Deutschland.
Das Morden auf deutschen und auf jugoslawischen Straen sollte ein Ende finden. Die beiden Staaten vereinbarten Ende der siebziger Jahre eine gemeinsame Terrorismusbekmpfung. Doch die Kooperation litt an eben jenem chronischen Mitrauen, auf dem die Arbeit der Schlapphte ohnehin basiert: jede Seite wollte die andere abschpfen das heit herausfinden, wieviel der neue Partner von eigenen V-Leuten in seinen Reihen wei, um sie besser beschtzen zu knnen. Also galt es fr die deutschen Geheimdienste, auch den prominenten berlufer Stjepan Djurekovic aus der Schulinie zu halten. Doch ausgerechnet sein Unterschlupf in den extremen kroatischen Kreisen, der ihn schtzen sollte, wurde ihm zum Verhngnis. Die Jugoslawen hatten bereits einen Maulwurf in seiner Umgebung plaziert.
Zwanzig Jahre spter nennt Bozidar Spasic die damalige jugoslawische Politfhrung als Auftraggeber des Mordes. Fr sie sei Djurekovic “ein legitimes Ziel in der Terrorbekmpfung gewesen. Die geheime Operation DONAU lief im Frhsommer 1983 auf drei Ebenen ab: Djurekovics Image wurde durch gezielte Desinformationen in der kroatischen Szene demontiert, um eine falsche Fhrte fr die sptere Fahndung zu legen; durch V-Leute in seiner Umgebung wurden seine Gewohnheiten ermittelt und es wurde ein fnfkpfiges Exekutionskommando aneghheuert und vorbereitet.
Der jugoslawische Agentenfhrer Josip Perkovic soll die Operation auf der Exekutivebene geleitet haben – dieses will auch das BKA 22 Jahre spter ermittelt haben. Doch Perkovic hatte inzwischen eine grundliegende Kehrtwende gemacht. Bozidar Spasic erinnert sich:
- Josip Perkovic wurde Ende der achziger Jahre in Deutschland verhaftet, als er mit einem unserer Agenten Verbindung aufnehmen wollte. Die deutsche Spionageabwehr hatte davon Wind bekommen und Perkovic ist aufgeflogen als er dem Agenten Geld fr einen Bericht bergeben wollte. Perkovic sa dann zwei- drei Wochen in Haft und sollte wegen Spionage vor Gericht gestellt werden. Da wir damals einen deutschen Agenten in Belgrad festhielten, haben wir den Austausch organisiert. Der sptere Verlauf seiner Karriere in den neunziger Jahren hat unsere Vermutungen bekrftigt: Perkovic wurde von den Deutschen umgedreht. Er hatte seitdem auerordentlich gute Beziehungen zu ihren Geheimdiensten.

In der Tat: Whrend des Krieges in Kroatien avancierte Josip Perkovic bei Franjo Tudjman zum Chef der Spionageabwehr. Er prahlte offen, mit deutscher Hilfe ganze NVA-Arsenale – trotz des Waffenembargos nach Kroatien geschmuggelt zu haben. In seinem Stab versammelte er Exilkroaten aus Deutschland eben diejenigen BKA- und BND-Schtzlinge, die er frher als jugoslawischer Geheimdienstler bekmpfte. Grund genug, sich als Freund und Mitarbeiter der deutschen Kollegen die ganzen Jahre sicher zu fhlen, zumal er auch ber ihre Machenschaften berichten knnte.
Nun kann der pensionierte kroatische Schlapphut partout nicht begreifen, warum ausgerechnet das BKA nach ihm via Interpol fahndet. ber die mglichen Ursachen kursieren selbst im notorisch intriganten kroatischen Geheimdienstmilieu lediglich vage Vermutungen. Und die deutschen Ermittlungsbehrden wollen im laufenden Verfahren dazu noch keine Stellung beziehen.
Josip Perkovic weist seine Verantwortung fr den Mord natrlich zurck. Bisher konnte er sich auf eine schtzende Hand in Kroatien verlassen: Sasa Perkovic, sein eigener Sohn, ist nmlich Sicherheitsberater des amtierenden kroatischen Prsidenten. Dennoch ist Josip Perkovic vorsichtshalber erst einmal untertaucht.

Kroatische Justizbehrden knnen kroatische Staatsbrger ins Ausland nicht ausliefern so ist das Gesetz. Sie bieten an, einen Proze in Kroatien zu organisieren. Falls es dazu kommt, kann Josip Perkovic kaum mit Entlassungszeugen rechnen:
- Zwei damalige deutsch-jugoslawische Doppelagenten haben bereits gegen ihn ausgesagt. Andererseits sind sowohl die jugoslawischen Politiker – die Auftraggeber des Mordes – als auch die mutmalichen Exekutoren inzwischen alle tot. Perkovic mu sich in Acht nehmen: nicht nur vor der deutschen Justiz sondern auch vor seinen alten Kollegen aus Deutschland und – aus Belgrad. Sie haben immer noch geheime Berichte in ihren Archiven, mit pikanten Details ber Operationen des jugoslawischen Geheimdienstes im Ausland.
Bozidar Spasic meint immerhin, sich fr den Diensteifer seines ehemaligen Kollegen Perkovic im Agentenkrieg gegen Exilkroaten verbrgen zu knnen:
Ich wrde fr ihn meine Hand ins Feuer legen, zumindest bis 1989 hat er die Ustasa-Emigranten mit seiner ganzen Kraft bekmpft, auerordentlich zuverlssig und zielgenau.




