Wenn der Polizeiminister gren lsst
Thursday, August 6th, 2009Wenn der Polizeiminister gren lsst
Nach seinen Enthllungen ber Kriegsverbrechen verlor der prominente kroatische Journalist eljko Peratović seinen Arbeitsplatz
Jetzt durchleuchtet er als Blogger dubiose Netzwerke – und erhlt Polizeibesuch.“Wir haben hier eine Anzeige gegen Sie”, sagte der freundliche Polizist an der Haustr. “Sie sollen Ihr Kind unsittlich angefasst haben.” eljko Peratović hat vom Krieg berichtet. Spter wurde sein wichtigster Informant, ein guter Freund zudem, in die Luft gesprengt. Aber der schlimmste Horror war der Moment, als er an seiner Haustr in Zagreb dem freundlichen Polizisten ins Auge sah. Denn den Krieg und den Mord an seinem Freund erlebte der heute 42-Jhrige noch als Journalist. Als die Polizei bei ihm klingelte, war er nur noch Blogger. Ein Unterschied, der sehr wichtig werden kann.
eljko Peratović ist in Kroatien nicht irgendwer. Er war der Mann, der das Massaker von Gospić publik gemacht hat. Noch als Reporter der Wochenzeitung Globus schrieb er ber die Grueltaten in der beschaulichen kroatischen Kleinstadt, wo 1991, zu Beginn des Krieges, reihenweise Serben aus ihren Husern geholt und im Wald erschossen wurden. Nicht alle Kroaten mochten zu den Verbrechen schweigen. “Ich bin nicht in den Krieg gezogen, um Omas umzubringen” , sagte sich ein kroatischer Soldat und wurde zum Kronzeugen. Peratović freundete sich mit dem mutigen Aussteiger an. Aber noch bevor der Soldat aussagen konnte, ttete ihn im August 2000 eine Autobombe.
Peratović aber wurde bei Globus entlassen. Seit vier Jahren ist er nun arbeitslos und passt auf die fnfjhrige Tochter auf, whrend seine kranke Frau meistens in der Schweiz weilt. Und bloggt.eljko Peratović (re.) auf einem Archivfoto mit dem frheren kroatischen Regierungschef Josip Manolić, der im Prozess um die Kriegsverbrechen von Gospić als Zeuge der Anklage aussagte.
Die zentrale Rolle in den langen Geschichten auf Peratovićs Website spielt immer wieder ein Mann: Tomislav Karamarko. Der gehrt in Kroatien eigentlich zu den “good guys” . Als der heute 50-Jhrige im letzten Herbst nach einer erschtternden Serie von Mafiamorden zum Innen- und damit Polizeiminister berufen wurde, gab es viel liberalen Applaus.
Peratović aber fragte sich, was der hohe Polizist eigentlich getan hatte, als seinerzeit sein Freund in die Luft gesprengt wurde. Er leuchtete in seinem Blog die Geschfte der Sicherheitsfirma aus, die der Hoffnungstrger zeitweilig betrieben hatte: Wen hatte er da geschtzt? Wer waren die Miteigentmer? Noch als Karamarko Geheimdienstchef war, klingelte es bei Peratović schon einmal an der Tr: “Verdacht auf Geheimnisverrat.” Ein Trupp von acht Polizisten durchsuchte die bescheidene Wohnung, griff sich die Laptops, beschlagnahmte die gesamte Dokumentation und nahm Peratović mit zum Verhr. Im Jahr darauf zeigte der Geheimdienstchef den Blogger persnlich an – wegen “Ausstreuens von bekanntermaen falschen Gerchten mit dem Ziel, eine grere Zahl Brger zu beunruhigen” . Als die Anzeige zur Verhandlung kam, war Karamarko schon Minister und fhrte vor Gericht als “beunruhigte Brger” seine weitere Verwandtschaft an. Die Justiz vergrub das noch immer offene Verfahren in den Tiefen des Gerichtswesens. Als es jetzt wieder an der Tr klingelte und ein Polizist ihm mit der anonymen Anzeige wegen Kindesmissbrauchs kam, witterte Peratović wieder dessen Dienstherrn dahinter. Auch wenn er das so nicht sagt.
(Norbert Mappes-Niediek aus Zagreb/DER STANDARD, Printausgabe, 6.8.2009)



Mladen Bajic



