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Laudatio auf Zeljko Peratovic

Friday, August 5th, 2005

Press Freedom Award – Signal fr Europa 2003


Aus Laudatio auf Zeljko Peratovic

Norbert Mappes-Niediek

Norbert Mappes-Niediek im Festsaal des Palais Schwarzenberg/foto Monika Morawetz fr ROG

Liebe Festgaste!

Wir ehren heute mit Zeljko Peratovic hier den ersten Journalisten aus einem Land des frheren Jugoslawien, der off en und ausfhrlich von Kriegsverbrechen der eigenen Sei te berichtet hat.
Das hat er zu einer Zeit getan, als 80 Prozent der kroatischen Bevlkerung einer Umftage zufolge der Meinung waren, dass kroatische Kriegsverbrechen diesem Krieg definitorisch ausgeschlossen seien: Was ein Kroate zur Abwehr der serbischen Aggression auch immer unternehme, dachte man damals, sei gerechtfertigt – eine irrige, aber auf der ganzen Welt anzutreffende Meinung.

Peratovic hat sich ihr nicht auf der Ebene des Leitartikels gestellt, wo dieser Meinung sonst von Zeit zu Zeit widersprochen wird. Er hat vielmehr recherchiert und beschrieben, was 1991 mit den Serben inder norddalmatinischen Kleinstadt Gospic geschehen ist. Er hat sich mit niemandem um die passenden Begriffe fr dieses Geschehen gestritten. Er hat eseinfach beschrieben, die Leser bei der Hand genommen, sie ins Gospic des Herbstes 1991 gefhrt und sie dort selber seh en lassen, sie selber erschrecken lassen, auch vor sich selbst.
Es waren Texte im Stil der kroatischen Wochenzeitungen der neunziger Jahre, im Nacional oder spter in Globus, in Blattem, die ffentliche Meinung prgten. Meistens ging es auf deren Seiten um tatschliche oder vermeintliche Politikerskandale, um die Wohnung, die sich jemand auf Staatskosten hatte renovieren lassen – Texte, die mit Titelschleifen wie “Senzacionalno” oder “Hipereksluzivno” angekndigt wurden und deren berschriften nie ohne Ausrufezeichen auskamen.

Diese Umgebung hat den Texten von Zeljko Peratovic, so paradox es klingt, die besondere Wirkung gegeben. Sie wirkten auf den Seiten der Wochenblitter anfangs wie eingeschmuggelt. Hier war man doch gewohnt zu lesen, was der Durchschnittskroate dachte! Und dann so etwas!

Natrlich ist Zeljko Peratovic rasch und dann immer wieder des nationalen Verrats bezichtigt worden. Dabei hat er mit seinen Enthllungen mehr fr Kroatien getan als so mancher so genannte Kriegsheld. Kroatien war, nachdem es sich ber die Taten der eigenen Leute in Gospic emprt hatte, von einer Kriegspartei zu einer Nation geworden. Erst jetzt war Kroatien ein gesellschaftliches Ganzes, namlich ein Wesen, das sich aus Gut und Bse, aus rechts und links zusammensetzte. Nationen entstehen nicht durch Beschworung.

Vierzig Jahre lang etwa haben die Machthabenden der DDR dem Volkeinzureden versucht, es sei eine neue, sozialistische Nation. Aber weil dieser Gesellschaft das abgetrennte rechte Bein nicht nachwachsen durfte, konnte das Gebilde nie aufrecht und sicher stehen. Umgekehrt war aus der Bundesrepublik Deutschland, dessen Volk sich ja nach dem Willen sei ner Mchtigen immer nur als halbe Nation verstehen sollte, in dem Moment aus einer kalten Kriegspartei zu einer Nation geworden, als ihr in der Studentenbewegung des Jahres 1968 das abgetrennte linke Bein nachwuchs. Sie sehen: die eigentlichen Nationsgrnder sind nicht die, die sich darur halten. Und sie bleiben meistens unhedankt.

Wir mgen versucht sein, in Zeljko Peratovic auch den ganzen unabhngigen Joumalismus zu ehren, in ihm also auch ein bisschen uns selbst. Ich mchte davor warmen. Wir mssen hier vor allem ein Lob der Treue und der Sturheit singen, und das sind keine journalistischen Tugenden.

Zeljko hat ihm zugehort und sich sein Anliegen nach und nach zu eigen gemacht ohne die kritische Distanz zu seiner Quelle je aufzugeben. Es gehrte auch fr die Chefredaktion des Globus anfangs einiger Mut dazu, die Texte von Zeljko zu verffenlichen…

Als Zeljko wegen der Zensur des Hauptredakteurs Mirko Galic die Zeitschrift Globus verlassen musste, hat Milan einen Brief an das Helsinki Komitee geschrieben, in dem er die Meinungsaeusserungs – und Pressefreiheit verteidigte…

2+3/04: Die sterreichische Journalistin

Signal Fr Europa. Reporter ohne Grenzen / sterreich zeichnet unbequeme Journalisten aus dem ehemaligen Jugoslawien aus

Aufgearbeitet. Zeljko Peratovic ist einer der ersten Journalisten aus einem Nachfolgestaat der ehemaligen Republik Jugoslawien, der offen und ausfhrlich ber die Kriegsverbrechen der eigenen Seite berichtet hatte. Er schrieb Anfang der 90-Jahre in den kroatischen Wochenzeitungen “Nacional” und “Globus” ber jene Gruel, die kroatische Truppen 1991 in der nord-dalmatischen Kleinstadt Gospic an Serben begangen hatte. Er schrieb dies in einer Zeit, in der 80 Prozent der Bevlkerung der Meinung waren, dass es keine kroatischen Kriegsverbrechen im Rahmen der “Abwehr serbischer Aggression” gegeben haben knne. Es war ein Augenzeugen in Gospic, der Zeljko Peratovic auf die Spur gebracht hatte. Milan Levar, der spter auch offen vor dem Haager Tribunal gesprochen hatte. Im Jahr 2000 wurde er deshalb zuhause in Kroatien ermordet. Auch Zeljko Peratovic wurde wegen seiner Artikel in Zagreb von einem durch die Justiz unbehelligt gebliebenen Kriegsverbrecher krperlich attackiert. Den Zeitungen, fr die er damals schrieb, wurde er schlielich lstig. Zeljko Peratovic wurde entlassen. Heute schreibt er fr die Tageszeitung “Vjesnik”.

Aus draxblogIII: Changes in Croatian Blogosphere

eljko Peratović (Zeljko Peratovic), one of few Croatian
journalists who also happens to be regular blogger, just got fired from Vjesnik
because he breeched contract by publishing an interview for Feral Tribune.
Peratović claims that there was political background for that decision.

und aus THE rabble.ca DISCUSSION FORUM

Topic: I got fired from my daily Vjesnik, Zagreb, Croatia

und aus 45 lines:Why I will be fired from Vjesnik

When Zeljko Peratovic came back from his holiday at the beginning of September 2004., main editor of Vjesnik, Andrea Latinovic, told him publicly in editorial office that his writing was getting rebuking, and that similar complaints was getting director of Vjesnik, Franjo Maletic. She said that Tomislav Karamarko called her, at that time joint owner of security firm Soboli Ltd., and he announced law sue against Vjesnik, because Peratovic wrote in one text in that newspaper about possibility that Karamarko became chief of all secret services. He also wrote that Karamarko was on holidays in his summerhouse on Mljet that summer. The main editor of Vjesnik said to Peratovic that Karamarko didn’t have summerhouse on Mljet and that was untruth, the same thing was if she wrote that Peratovic was murder. She also added that agains Peratovic protested Mate Basic from Australia. She warned that she decided to go for a lunch with Tomislav Karamarko, to try to prevent Karamarko from filing charges against Vjesnik. After few days, Andrea Latinovic informed Peratovic publicly in editorial office that she went for a lunch with Tomislav Karamarko and they talked for five hours about Peratovic and that Karamarko said a lot of things about Peratovic. Tomislav Karamarko is professional policeman and intelligence agent (he was chief of Zagreb’s police, superintendent of UNS (Office for National Security), and now he is chief of POA). Peratovic met him only once in 1998. in restaurant owned by Zvonimir Trusic, on Remetinec. Because of those facts, Peratovic categoricaly claims that Tomislav Karamarko was talking to Andrea Latinovic about his professional cognitions about the journalist, what he shouldn’t do, regardless of accuracy of the informations, because that was prohibited to him by Law of protection of informations and Law of security services. That had disagreeably consequences for Peratovic.

VI

Editorial office of Vjesnik more rarely published texts of Zeljko Peratovic, even under censorship were those texts which was ordered by editorship. The explanation why his texts were not published he didn’t get, except once editor of internal politics, Marijana Matkovic for text about Damir Jukica, one of onetime highly positioned functionaries of POA, who in interview for weekly magazine Nacional (attachement 3.1) confirmed presenting of Presentation of chief of POA, Franjo Turek, to the top of the state about hostile activity of journalists, said that text wasn’t published because it was based on compilation of somebody else’s texts and it was full of incorrectnesses. That explanation she filled up with remarks that in his texts could never be seen the source. That was repeted to Peratovic on meeting in January 2005. with main editor Andrea Latinovic, her deputy, Marijana Matkovic and assistant of main editor, Zoran Vodopija.

VII Considering that identical evaluation about writing of this journalist is in Information of former chief of POA since 16.10.2004. (attachement 3), Peratovic claims that editorship of Vjesnik was illegaly informed with opinion of POA about his way of working. That statement is supported by evaluation that till the end of 2004. Peratovic extremely professionaly cooperated with Zoran Vodopija, Marijana Mikasinovic and Marijana Matkovic, and that they have never put against him the way of his writing and his themes, on the contrary, they gave him their support…

XXII

Peratovic Zeljko, because of pressures and heckling comments on political meetings, on street, in trams, that he is betrayer of Gotovina and British spy, experienced psychical shocks, discomfort, harassing, threats, humiliation. On his work he is exposed to censorship, isolation from editorial office and management of Vjesnik, that is mobbing. Because all that he got sick and had to go on sick leave and ask for medical help. (attachament 16)…

XXIII

The consequences for Peratovic Zeljko are disastrous on economic, professional and moral base, but also medical. That kind of acting of POA, by the proposer, is stressful condition and inhibits it in original analysis and critical approaches of considered problems which are hapening in society. He has the feeling of constant threat and editorial aversion from confiding journalist investigation work , what is for individual journalist, for profession, and also for public, fatal. That has a great influence on his professional behaviour. In question are the freedom and professional work of journalist. No matter the Committee for internal politics and national safety brought mentioned conclusion, journalist rights of Zeljko Peratovic are still violated, because in newspapers he is working for, Vjesnik, and which are formaly owned by the Government of Croatia, is not allowed writing about themes he wrote before: intelligence services, organized crime and war crimes. Almost any writing is prohibited…

“Dieser Preis ermutigt mich, weiterhin die Kriegsverbrechen zu recherchieren und darber zu schreiben”, so Zeljko Peratovic anlsslich der Preiserleihung am 18. Jnner in Wien. “Denn Kriegsverbrechen sind fr mich das grundlegende Element, das all diese Verbrechen wie Mord, Korruption, Kriminalitt und Wirtschaftskriminalitt verbindet. Und wir wissen auch, dass viele sptere Wirtschaftskriminelle Kriegsverbrechen begangen haben – nicht nur in Kroatien, auch in Bosnien und Serbien. “…

Zitat aus der Festrede von Norbert Mappes-Niediek fr Zeljko Preratovic:

“Der Preis trgt den Untertitel, Signal fr Europa’. Das ist ein schner und treffender Name. Was hier geleistet wurde, ist in der Tat ein Signal fr ganz Europa, nicht nur fr seinen stlichen Teil. 80 Prozent alle Orden und Ehrungen sind tautologisch: Sie belohnen nur den Erfolg und den Applaus. Die anderen 20 Prozent sind es, die zhlen. Zu ihnen gehrt der Preis, den ROG hier in Wien verliehen hat.”

Rubina Mhring, Geschftsfhrende Prsidentin – Reporter ohne Grenzen sterreich